Die Wanderung aus Sicht der letzten Reihe
14. Januar 2006, 10 Uhr Ortszeit. Endlich war es wieder so weit, die lang ersehnte Winterwanderung stand an. Da die Wanderungen in den Vorjahren immer was Besonderes waren, war die Vorfreude natürlich groß. Ich erinnere noch mal kurz an die vergangenen Zeiten. Es war sehr schön im Seeblick in Breidenstein, damals, mit Schlittschuhlaufen auf dem See (ohne Schlittschuhe versteht sich), wo wir nach der Aufspaltung in mehrere Teilgruppen – alle wollten lieber andere, bessere, kürzere Wege gehen – schließlich alle zusammen an einem großen Tisch saßen, und so jeder mit jedem ins Gespräch kommen konnte. Es war sehr schön in Wallau beim Dietrich, wo am Ende des Tages trotz Freibier der eine oder andere 60 € auf dem Deckel hatte, nur durchs Würfelpech, wo die Kunst des Schockens geteilt und weitergereicht wurde und wo der Erdbeerlimes so vorzüglich war, verschiedene Teilnehmer dieser Wanderung sollen im Anschluss sogar noch eine Akkustikprobe einschließlich „Schalke“ „04“ in der Sonne – quer durch den ganzen Laden – veranstaltet haben. Und es war auch sehr schön in Sarnau – in der „letzten“ offiziellen Boschkneipe, wo wir nach einer laaaaangen Wanderung nach Wallau und einer durch Bier und Schnaps sehr kurzweiligen Busfahrt, schließlich landeten, wo eine kleine Gruppe hartgesottener Krieger (6 Erwachsene und 3 Kinder) es fertig gebracht hatten, schon auf dem Fußmarsch etwa 6 Flaschen Schnaps zu leeren, zusätzlich zu dem vom Verein gestellten „Frauenschnaps“ – es gab einfach zu viele Kreuzungen auf dem Weg.
Mit all diesen Erinnerungen lag die Messlatte natürlich reichlich hoch – aber man war guter Dinge. Nachdem dann etwa gegen halb elf alle eingetrudelt waren, machten wir uns auf den Weg. Sehr schnell formierten sich auch hierbei klein Gruppen – so fand man ganz vorne die Durstigen, die, die das Bier wohl schon zu riechen schienen. Dahinter gab es mehrere Kleingruppen – in Gespräche vertieft, Menschen die sich lediglich einmal im Jahr sehen – zur Wanderung. Und ganz hinten eine Gruppe Abenteurer. Eine Gruppe, die sich zumindest im Ansatz so jedes Jahr findet. Doch in diesem Jahr, man sollte es nicht glauben, war die Gruppe völlig auf sich gestellt – auf den vergangenen Wanderungen gab es eine klare Einteilung, der Vorsitzende Olaf S. aus N. hat sich um die „Spitzengruppe“ zu kümmern und der Kassenwart Jürgen S. aus P. passt auf, dass niemand verloren geht. Doch dieses Jahr kam es anders. Der Kassenwart ließ sich mit der dürftigen Entschuldigung einer Verletzung vom Wandern befreien und so waren die Abenteurer gänzlich allein. Allein und unvorbereitet. Denn – auch das war ein Novum in dieser Gruppe – in diesem Jahr hatte nur eine Person für flüssige Verpflegung für unterwegs gesorgt – an dieser Stelle Danke an Ethel H. aus P. (Schwester des Präsi’s, auf Dich ist Verlass!) und an Lisa – Marie H. aus P. die ihren Rucksack als Transportmittel zur Verfügung stellte und auch einen Großteil des Anstiegs den Transport übernahm. Während des schweißtreibenden Anstieges kam in benannter Gruppe die Idee auf, möglicherweise irgendwie abzukürzen, denn von den „Vorläufern“ war bereits niemand mehr in Sichtweite. Nach kurzem Abwägen zwischen einem gefährlichen Bergsteigen in eisbedeckten Hängen oder dem langen beschwerlichen Anstieg außen herum, entschied sich die Gruppe per Mehrheitsvotum für die gefährliche Variante – schließlich wollte man sich sein Bier am Ende auch verdient haben. Der Weg war sogar noch schwerer, steiler und gefährlicher, als es zuvor den Anschein hatte, und doch schafften es alle aus der Gruppe bis oben. Dort hatte sogar ein Teil der anderen gewartet um mit einem Kopfschütteln das gefährliche Vorgehen zu quittieren. Nun, nach dieser harten Bewährungsprobe – und nachdem der Flüssigproviant nahezu aufgebraucht war traf es sich gut, dass der Zwischenstop schon in greifbare Nähe gerückt war. Auf der Wegespinne wartete dann auch der Rest der Wanderfreunde und zusätzlich diejenigen, die sich dazu bereit erklärt hatten für die Verpflegung zu sorgen. Wir konnten uns über kühles Bier, warmen Apfelwein und gegrillte Würstchen an einem wärmenden Feuer freuen. Nachdem sich der Herzschlag endlich wieder normalisiert hatte – die Aufregung steckte den Abenteurern in den Knochen – und einer ausführlichen Speisung entschieden sich die „Letzten“ zumindest kurzfristig die Führung der Gruppe zu übernehmen. Diese währte jedoch nicht lange, denn sehr schnell holten die Bierdurstigen dann auf. Nach einigen Flug-show-einlagen am Ende der Karawane und reichlich Genuss der vom Zwischenstop frisch aufgefüllten Flüssigverpflegungsreserven kam endlich Laasphe in Sicht. Die Abenteurer entschieden sich erneut gegen den von der breiten Masse eingeschlagenen Weg und wählten einen beschwerlichen und zugeschneiten Pfad in die Stadt, und doch kam es so, dass sie nahezu zeitgleich mit den Wanderfreunden am Ziel ankamen.
In der Kneipe beim Dietrich setzten sich die Gruppen weitestgehend so zusammen, wie sie auch gelaufen waren. An der Theke floss das Bier in schnellen Runden, an den Tischen kreisten Gespräche und am Tisch der Abenteurer rotierten die Würfel (und der ein oder andere Schnaps) neben den alt bekannten Spielen wie Mäxchen und Schocken gab es auch neues zu lernen – wie „Sechser raus“. Außerdem lernten wohl einige der Damen an diesem Tag erst richtig, wie das „Blasen“ von statten zu gehen hat. Gegen Ende des Tages leerte sich der Saal so nach und nach und alle waren sicher: nächstes Jahr sehen wir uns wieder.
Zum Schluss sei noch zu bemerken, dass sich die letzte Reihe im nächsten Jahr wieder besser vorbereiten muss (eine Flasche Schnaps ist zu wenig!!!), dass am Zwischenstop dringend Radler benötigt wird und dass im nächsten Jahr wieder der Kassenwart auf die „verlorenen Schäfchen“ achten sollte!!!
Alles in allem war es eine gelungene Wanderung, auf der es wieder einmal sehr schön war, im Allgemeinen sollte nichts sich ändern und doch ist ein weniger beschwerlicher Weg und ein einheitlicheres Tempo sicher auch nicht abträglich für die gute Stimmung.
Also, Glück auf und bis bald.